Anmerkungen zu Diözesan- und Dombibliothek Handschrift 76. Beitrag von Anton von Euw in 'Glaube und Wissen im Mittelalter', Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 103

Augustinus: Kleinere Werke

Burgund, um 800

Wie schon das Titelblatt (1v) erkennen läßt, handelt es sich um eine Sammlung sog. kleinerer Werke (Opera minora) des hl. Kirchenvaters Augustinus (354-430). Sie mögen zum Teil für kirchenrechtliche Fragen von Bedeutung gewesen sein, was wohl der Grund ihrer Zusammenstellung war: Die christliche Lehre (I), das Prinzip der Barmherzigkeit entsprechend dem Lukasevangelium (17,4) - "Wer vergibt, dem wird vergeben werden" - (II), vom Gut der Geduld (III), vom Glauben an das, was man nicht sieht (IV), vom Eheglück (V), von der Jungfräulichkeit (VI), von Ehe und Begierde (VII).

Jones (1971) sah die Handschrift von drei Haupt- und einigen untergeordneten Händen geschrieben und reihte sie als Nr.1 in die Frühzeit des Kölner Hildebald-Skriptoriums ein. Dagegen schlug schon Wilmart (1938) das Skriptorium der in Burgund gelegenen Benediktiner-Abtei Flavigny als Ursprungsort vor. Die 719 gegründete Abtei verfügte schon zur Zeit Pippins III. (751/752-768) über ein Skriptorium. Lowe (CLA VIII, 1959, 1153) und Bischoff (Panorama 1981) folgten Wilmart. Bischoff nennt eine ganze Reihe von Werken, die "den für die Ornamentik dieser Handschriften bezeichnenden insularen Einfluß zeigen". Gemeint sind damit die in Vogel- und Hundsköpfen endenden Initialen und deren Umpunktung. Sie sind im Übergang vom 8. zum 9. und fortschreitenden 9. Jahrhundert für viele Skriptorien typisch, die unter insularem Einfluß standen.

Anton von Euw