Anmerkungen zu Diözesan- und Dombibliothek Handschrift 101. Beitrag von Anton von Euw in 'Glaube und Wissen im Mittelalter', Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 260

Isidor von Sevilla: De ecclesiasticis officiis

Ostfrankreich(?), 9.-10. Jh.

Isidor von Sevilla (um 560-636) schrieb das Werk 'Über die kirchlichen Pflichten und Ämter' auf Veranlassung seines Bruders Fulgentius, Bischof von Astigi (Ecija, 80km östlich von Sevilla), zwischen 598 und 615 und teilte es sinngemäß in zwei Bücher. Das erste behandelt den Themenkreis um die Kirche, ihre Liturgie, Gebete und Hochfeste. Es erklärt die Psalmen, Hymnen, Antiphonen, Gebete, die Verfasser der biblischen Bücher, die Messliturgie und das Mönchsoffizium mit seinen Tages- und Nachtgebetsstunden, den Jahreskreis der kirchlichen Hochfeste von Weihnachten über Ostern zu Pfingsten und schließt mit den Festtagen, dem Essen von Fleisch und Fisch. Im zweiten Buch wendet sich Isidor den kirchlichen Ämtern zu. Er erklärt die Regeln der Kleriker, die Ordnung der Ämter (Subdiakon, Diakon, Priester, Lektor, Psalmist, Exorzist usw.), die Mönchsgemeinschaften, Stände der Frauen (Jungfrauen, Witwen, Verheiratete), das Glaubensbekenntnis sowie die Taufe und Firmung. Die Erklärungen zum Stoff holte sich Isidor aus der Bibel und den Schriften der Väter, um sie - ähnlich wie in seiner Enzyklopädie, den 'Etymologiae' - auf ihre vermeintlichen Anfänge zurückzuführen.

Lawson (1989) ordnete die Handschrift im Stemma (Stammbaum) dem Hyparchetyp L (J) zu, in dem sich einige im 9. Jahrhundert in Frankreich entstandene Handschriften finden (Brüssel, Bibl. Royale, Ms.9311-9319; Chartres, Bibl. Municipale, Ms.31; Rom, Bibl. Vaticana, Reg. lat. 191). Ob Dom Hs.101 eine in Frankreich geschriebene Kopie ist und wie sie entstehungsgeschichtlich und künstlerisch mit der Gruppe zusammenhängt, kann hier nicht geklärt werden.

Anton von Euw