Anmerkungen zu Diözesan- und Dombibliothek Handschrift 171. Beitrag von Anton von Euw in 'Glaube und Wissen im Mittelalter', Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 98

Predigtsammlung Erzbischof Hildebalds

Köln, 1. Viertel 9. Jh.

Bereits Morin (1953, S.CIVf.) befaßte sich im Zuge seiner Edition von Predigten des Caesarius, Bischof von Arles (502-542), mit Dom Hs.171. Er hatte den Codex schon 1900 untersucht, als die Dombibliothek in einem der beiden Domtürme (in una turrium ecclesiae maioris) aufbewahrt wurde. Morin fand darin damals dreizehn Predigten, die er Caesarius zuschrieb. Ihm folgte Étaix (1988, S.125ff.) mit einer Analyse sämtlicher Texte, die er nun 'Le sermonnaire d'Hildebold de Cologne' (Das Predigtbuch des Hildebald von Köln) betitelte. Es handelt sich seiner Meinung nach um eine Sammlung, die weniger zum Gebrauch in der Liturgie des Kirchenjahres, als vielmehr zur Vorbereitung auf die persönliche seelsorgerische Tätigkeit des Oberhirten entstand. Außer den Predigten des Caesarius, der als Galliens großer Volksprediger galt, finden sich in der Sammlung Stücke von Augustinus (354-430; bzw. Pseudo-Augustinus), Auszüge aus der von Rufinus von Aquileia (um 345-411/412) nach Eusebios von Kaisareia (260/264-339/340) ins Lateinische übersetzten Kirchengeschichte, Texte von Sulpicius Severus (gest. nach 406), Gregor dem Großen (590-604), Isidor von Sevilla (um 560-636) und anderen.

Einrichtung, Schrift und Schmuck waren für Jones (1971, S.21f.) Kriterien zur Einordnung der Handschrift in die Spätzeit (um 811-818) des Kölner Hildebald-Skriptoriums. Daß das Werk tatsächlich als Hildebalds persönliches, außerliturgisches Homiliar betrachtet werden darf und daß der Erzbischof sich mit Predigtsammlungen besonders befaßte, legt das von ihm bei Abt Lambert von Mondsee bestellte Homiliar Codex 1014 der Österreichischen Nationalbibliothek (Wien) nahe (Barré 1961, S.78ff.). Es enthält die Dedikation In gloriam et honorem Dei atque Hildebaldi archiepiscopi ego Lantpertus abbas hunc librum rogabo scribere - Zu Ruhm und Ehre Gottes und Erzbischof Hildebalds bat ich, Abt Lambert, dieses Buch zu schreiben.

Anton von Euw