Anmerkungen zu Diözesan- und Dombibliothek Handschrift 203. Beitrag von Alexander Arweiler in 'Glaube und Wissen im Mittelalter', Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 296

Priscian: Schriften zur Grammatik

Ende 13.Jh.

Die kleinformatige Handschrift, welche die letzten beiden Bücher der 'Einführung in die Grammatik' (1r-48v) des Priscian (Ende 5./Anf. 6.Jh.) und weitere grammatische Lehrtexte enthält, ist ganz auf den Studiengebrauch ausgerichtet. Ziemlich durchgängig ist im Text jeder Satzbeginn rot markiert; Neuanfänge treten durch reich geschmückte Zierinitialen mit Ausläufern und zoomorphen Motiven hervor. Auf einer Reihe von Blättern dienen gezeichnete zeigende Hände offenbar als Lesehinweise (z.B. 14r, 18v, 21r, 23v). Der Text nimmt nur einen kleinen Teil der Seiten ein, so daß viel Platz für Notizen und Bemerkungen bleibt, wenngleich dieser insgesamt nicht stark genutzt wurde. Nur wenige Folios verfügen über dichte Glossen, die nicht nur durch ihre zum Teil außergewöhnlich kleine Schrift kaum lesbar sind. Der Beginn des Textes aus Donats (ca. 310- 380) Grammatik mit den Kapiteln über den falschen Sprachgebrauch ist z.B. ausführlich mit Randtexten versehen (81r/v, ebenso z.B. 49r/v, 50r). Das Zusammenstellen von Ausschnitten aus den Werken Priscians und Donats sowie der anonymen, bereits früh dem Priscian zugeschriebenen Abhandlung 'De accentibus' mit den Regeln für die Länge und Kürze von Silben, entspricht gängiger Praxis in der Handschriftenproduktion, wie sie schon bei den karolingischen Sammelcodices üblich war. Textteile und Exzerpte werden nach thematischen Gesichtspunkten in Handschriften vereint, oft ohne Angabe des Autors oder des Gesamtwerkes. Dem Interesse der Zeit folgend werden die übrigen Teile der benutzten Bücher nicht weiter abgeschrieben, so daß sie entweder gar nicht oder nur zufällig in wenigen Exemplaren bis heute erhalten sind. Bei so beliebten Schriften wie den grammatischen Werken dieser Autoren blieb die Überlieferung jedoch unbeschadet (s. z.B. Dom Hs.200, Kat.Nr.63).

Alexander Arweiler