Anmerkungen zu Diözesan- und Dombibliothek Handschrift 243. Beitrag von Klaus Militzer in 'Glaube und Wissen im Mittelalter', Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 529

Statuten der Maria-Magdalena-Bruderschaft an St. Laurenz

Köln, 1444-1676

Die Bruderschaft zu Ehren der heiligen Maria Magdalena ist wohl tatsächlich 1444, wie in den Statuten behauptet wird, gestiftet worden. Jedenfalls besteht kein Anlaß für einen vernünftigen Zweifel an der Jahresangabe. Die Bruderschaft setzte sich aus vornehmen Mitgliedern zusammen. In den überlieferten Listen sind viele Ratsherren und vor allem Goldschmiede zu ermitteln. Letztere zählten im spätmittelalterlichen Köln zu den wohlhabenden Handwerkern. Im übrigen hatten viele von ihnen ihren Wohnsitz und ihre Werkstatt im Kirchspiel von St. Laurenz, woran auch heute noch die Straße 'Unter Goldschmied' in diesem ehemaligen Pfarrsprengel erinnert. Infolge der Lage ihrer Wohn- und Werkstätten hatten sie enge Verbindungen zu ihrer Pfarrkirche geknüpft. So erklären sich auch die zahlreichen Eintritte von Goldschmieden in die Maria-Magdalena-Bruderschaft an St. Laurenz.

Der Hauptzweck der Bruderschaft bestand traditionell im Totengedächtnis, wofür die im Bruderschaftsbuch eingetragenen Namen in den Gottesdiensten der Gemeinschaft vorgelesen wurden. Die Mitglieder kamen wenigstens jedes Vierteljahr zum Totengedächtnis in der Pfarrkirche an ihrem Altar auf der Empore zusammen, der mit der für die Messe nötigen Ausstattung - Handschriften und Geräte (vgl. Dom Hs.257, Kat.Nr.101) - von ihnen finanziert wurde. Im Todesfall wachten sie an der Bahre ihrer verstorbenen Mitbrüder und Mitschwestern und geleiteten den Sarg zur Kirche, nahmen an den Exequien und der Grablege teil. Einmal im Jahr feierten sie ihr Bruderschaftsmahl und wählten dabei ihre Meister für ein Jahr. Diese Meister hatten die laufenden Geschäfte zu führen, vor allem die Gottesdienste und das Totengedächtnis mit der festgelegten Anzahl von Kerzen wie auch das Bruderschaftsmahl zu organisieren.

Die Handschrift ist ein Beispiel für eine im Spätmittelalter gegründete Bruderschaft, deren Meister Statuten anlegen und revidieren ließen und vor allem die Namen der Brüder und Schwestern festhielten, um ihrer zu gedenken, wenn sie gestorben waren. Die Handschrift wurde noch bis in das 17. Jahrhundert benutzt und geriet wahrscheinlich mit dem Erlöschen der Bruderschaft in den Besitz der Pfarrkirche - das heißt im Laufe des 17. oder spätestens des 18. Jahrhunderts, denn am Ende der reichsstädtischen Zeit (1794) bestand sie nicht mehr.

Klaus Militzer