Anmerkungen zu Diözesan- und Dombibliothek Handschrift 55. Beitrag von Anton von Euw in 'Glaube und Wissen im Mittelalter', Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 87

Hieronymus: Kommentare zu den Büchern der Kleinen Propheten

Köln, Anfang 9. Jh.

Dom Hs.55 bildet mit den Kommentaren des hl. Kirchenvaters Hieronymus (347/348-419/420) zu den sog. Kleinen Propheten inhaltlich eine Fortsetzung der Dom-Handschriften 52 und 54 (Kat.Nr.6). Erzbischof Everger (985-999) ließ später alle drei Bücher aus der Zeit seines großen Vorgängers Hildebald (vor 787-818) in ein neues Corpus zusammenschreiben (Dom Hs.53). Hinsichtlich der Ausstattung paßt Dom Hs.55 jedoch kaum zu den anderen Kölner Hieronymus-Ausgaben (vgl. auch Dom Hs.51, Kat.Nr.5). Außer dem Anfang mit seinem zweizeilig in Minium von der Capitalis zur Uncialis abgestuften Titel und der korrekt eingeplanten Initiale wirken die Titel und Explicits ziemlich willkürlich. Ein Vergleich der Initiale M(icheas) (2r) in Dom Hs.55mit dem O(lim) (1r) in Dom Hs.51macht die Verwandtschaft beider Handschriften auf künstlerischer Ebene dennoch deutlich. Lowe zählte Dom Hs.55 nicht mehr zu den 'Codices Latini Antiquiores' (CLA 1959), Jones (1971, S.20f.) rechnete sie der mittleren Hildebald-Zeit (801-810) zu.

Anton von Euw