Anmerkungen zu Diözesan- und Dombibliothek Handschrift 58. Beitrag von Anton von Euw in 'Glaube und Wissen im Mittelalter', Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 183

Hieronymus: Kommentare zu den Paulusbriefen

Benediktinerabtei Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Die Handschrift enthält drei der vier vom hl. Hieronymus (347/348-419/420) zwischen 387 und 389 verfaßten Kommentare zu den Paulusbriefen an die Epheser, an Titus und Philemon (Brief an die Galater fehlt), deren Vorreden sich an die römischen Damen Paula (347-404) und Eustochium (um 368-um 419) richten, die dem gelehrten Presbyter nach Palästina gefolgt waren. Bischoff sieht das Buch von mehreren Schreibern während der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts in Lorsch geschrieben. Er identifiziert es mit Nr.37 und Nr.203 der erhaltenen karolingischen Lorscher Bibliothekskataloge und zählt es zu den Werken des Übergangs vom Lorscher frühkarolingischen Stil unter Abt Richbod (784-805) zum jüngeren Lorscher Stil unter Abt Adalung (804-837), unter dem das Lorscher Skriptorium nach 820 seine Höhepunkte erreichte. Als Vergleichshandschrift bietet sich beispielsweise der Palatinus latinus 175 in Rom (Bibl. Vaticana) mit dem Kommentar des hl. Hieronymus zum Buch 'Ecclesiastes' an, dessen Zugehörigkeit zur Bibliothek des Klosters des hl. Nazarius in Lorsch gesichert ist (Bischoff 1989, Taf. 10).

Anton von Euw