Anmerkungen zu Diözesan- und Dombibliothek Handschrift 61. Beitrag von Hans-Walter Stork in 'Glaube und Wissen im Mittelalter', Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 180

Augustinus: Kommentar zur Genesis/Von der Übereinstimmung der Evangelisten

Köln oder Niederrhein, 1. Hälfte 12.Jh.

Der Sammelband vereinigt zwei exegetische Schriften des Augustinus (354-430): seine zwischen 401 und 415 entstandene, vor allem den Literalsinn erläuternde Auslegung des Buches Genesis, (De genesi ad litteram), und seinen um 400 geschriebenen Überblick über die Parallelstellen der vier Evangelien (De consensu evangelistarum). Beide Texte sind in Klosterbibliotheken Deutschlands relativ häufig vertreten; der Census der Augustinushandschriften weist 19 bzw. 22 Manuskripte für beide Texte nach.

Der Codex kann bislang keinem Skriptorium zugewiesen werden. Auf die Bibliotheksheimat könnte die "bewohnte Initiale" I(nter) auf Folio 118v, dem Beginn des zweiten Textes, hindeuten. Dort sieht man im gespaltenen Schaft der Initiale einen Bischof in Pontifikalgewändern mit Bischofsstab und einem Schriftband: Mercedem laborem ego reddam - Als Lohn werde ich die Arbeit erstatten (?). Darunter steht, durch seine Tracht als Abt kenntlich und ebenso in der Beischrift benannt, Wicbertus abbas. Der bisher noch nicht identifizierte Wicbertus ist also wohl der Stifter der Handschrift. Die Gewänder der Bischofsgestalt sind vielfarbig: Über der Albe trägt er die mit grünem Rankenwerk ornamentierte Tunika, deren Saum mit Stein- und Gemmenbesatz verziert ist, schließlich eine rote Kasel mit weiten Ärmeln und Kaselstab. Abt Wicbert trägt eine Tunika mit Kapuze und mittelweit ausgeschnittenen Ärmeln.

Zu Beginn der einzelnen Bücher und Kapitel steht jeweils eine Zierinitiale. Joachim M. Plotzek (1973) bringt die Ornamentik der Handschrift u.a. mit dem Berliner Codex theol. lat. fol.273 (Staatsbibl. PK) in Verbindung, der lediglich eine Initiale in roter Federzeichnung enthält (A. Fingernagel, Die illuminierten lateinischen Handschriften deutscher Provenienz der Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz Berlin, Bd.I/II, Wiesbaden 1991, I Nr.62, II Nr.182). Am ehesten ist diese vergleichbar mit dem N(unc) auf Folio 204v des Kölner Codex. Auch bei der Berliner Handschrift steht die Provenienz nicht fest; eine Herkunft aus Groß St. Martin in Köln wird vermutet.

Hans-Walter Stork